Wie bleibe ich in Videokonferenzen gut bei Stimme?

In der Pandemie sind Begegnungen selten. Stattdessen reden wir mehr. In vielen Berufen jagt ein Online-Meeting das nächste. Irgendwann treffen wir nicht mehr den richtigen Ton.

Von Josefine Janert

Nie gab es so viele Videokonferenzen wie jetzt, in der Pandemie. Die Stimme muss mitspielen, sonst nützt ein inhaltlich interessanter Vortrag wenig. Es sind etliche Hürden zu meistern, angefangen von technischen Störungen bis hin zu bellenden Hunden oder Nachbarn, die ihre Musik aufdrehen. „Durch ein Headset werden Nebengeräusche ausgeblendet“, sagt die Moderatorin und Schauspielerin Bettina Schinko. „In vielen Unternehmen wird es auch empfohlen, um Interna  geheim zu halten.“ Schinko hat sich dar auf spezialisiert, andere Profi-Sprecher zu schulen und zu trainieren. Dazu gründete sie in Berlin ihr Unternehmen „sprechbar“.

Wer etwas sagt, offenbart, wie es ihm geht. „Schlechter Schlaf, Stress, Lampenfieber – alles schlägt sich auf die Stimme  nieder“, sagt der Berliner Logopäde Lutz  Balzer. „Betroffen ist unter anderem auch der Schlundschnürer, ein Muskel hinter dem Kehlkopf.“ Er müsse gelockert werden, am besten durch gute Vorbereitung.

Egal, welchen Sprechexperten man fragt, alle empfehlen, vor der Videokonfe renz ein paar Aufwärmübungen für die Stimme zu machen. Idealerweise wiederholt man diese Übungen schon Tage vor  dem Termin, weil sie beim ersten Mal irritieren können und weil die Stimme damit  langfristig fit gemacht wird. Selbst Profis planen Warm-ups. „Ihnen würde es nicht im Traum einfallen, erst mitten im Konzert ihr Instrument zu stimmen“, sagt der Münchner Kommunikationstrainer und  Moderator Paul Johannes Baumgartner.

Die Vorbereitung kann im Stehen mit  Recken und Strecken, Gähnen und sanf ten Übungen zum Lockern der Schulter- und Nackenmuskulatur beginnen. Was dann folgt, dafür hat jeder Experte sein eigenes Rezept. Baumgartner empfiehlt die sanfte Massage der Kaumuskulatur: „Wischen Sie mit der Zunge im Mund herum, unter Ober- und Unterlippe entlang, sodass der Resonanzraum frei wird.“

Dann sollten Artikulationsübungen  und das Summen von „mmmh“ folgen, um die Vibration im Mundraum zu spüren. „Je entspannter wir sind, desto besser klingt die Stimme“, sagt Baumgartner. Wenn es im und um den Mund herum beim „mmmh“ vibriert, sei das ein gutes Zeichen dafür, dass wir anschließend stimmlich alles abrufen können. Für die Artikulationsübungen eignet sich ein Korken: zwischen die Lippen stecken, laut bis  zehn zählen oder einen Text vorlesen. Balzer empfiehlt, zwei bis drei Minuten lang die Silbe Hu die Tonleiter herauf und her unter gleiten zu lassen. Glissandi nennen das die Musiker. „Die Übung hat den Zweck, wahrzunehmen, welcher Resonanzraum beim Sprechen zur Verfügung  steht“, sagt der Logopäde.

Bettina Schinko legt ihr Augenmerk auf den Normalsprechton. Das „ist der Ton, auf dem du sprechen kannst, ohne dass es dich anstrengt“, schreibt sie in ihrem gerade erschienenen Ratgeber „Stimme und Persönlichkeit“. Das Gegenstück  wäre ein Laut, den die angespannten Stimmbänder produzieren. Bei Stress rutscht die Stimme nach oben, was weder kompetent noch souverän klingt.

Um den Normalsprechton vor der Videokonferenz zu erreichen, gibt es laut Schinko mehrere Wege: etwa Kaubewegungen, als verspeise man sein Lieblingsgericht. Gerne dazu ein „mmmh“ tönen! Es sei sinnvoll, sich während der Videokonferenz ab und zu an diese Übung zu erinnern und sie in Gedanken auszuführen. „Das hat nahezu den gleichen Effekt“, berichtet die erfahrene Trainerin.